„Jeder Jugendliche muss nach Berlin!“

Reisebericht von Mohamad Amin Zaim, alias Tito (18 Jahre aus Bonn)

„Berlin! Jeder Jugendliche muss nach Berlin! Ansonsten verpasst er viel Spaß und deutsche Geschichte. Wir, eine Gruppe von sechs guten Freunden im Alter zwischen 18 und 20 Jahren, die immer Action suchen und mehr über die Geschichte des Landes lernen wollen, haben durch Ramy Azrak von der Dr. Moroni Stiftung diese Möglichkeit bekommen vom 25. bis 28. Juni mitzufahren. Ramy haben wir durch Mitternachts-Fußball und die LIGA Bonn 2015, und einige auch schon vorher, kennengelernt. In Tannenbusch kennt fast jeder Ramy, der auch schon sehr viele Jugendliche aus Tannenbusch und ganz Bonn mit nach Berlin mitgenommen hat. Er hat vielen meiner Freunde auch bei allerlei Problemen und Fragen beraten und geholfen, sogar auch schon dem einen oder anderen zu einer Ausbildung verholfen.

Sechs Wochen vor Beginn der Reise haben wir alles mit Ramy geplant und dir Vorfreude war sehr groß. Ich, Mohamed Amin Zaim, alias Tito, bin 18 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in Bonn. Meinen Migrationshintergrund findet man im Nordosten Marokkos. In meiner Freizeit spiele ich sehr gerne Fußball und in der U19 vom FC Blau-Weiß Friesdorf im Mittelfeld. Im August 2018 habe ich eine Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen, die gut läuft. Für die Reise haben wir sechs uns alle Urlaub genommen.

Am 24. Juni ging es dann endlich los! Vier Tage Beeerlin! Getroffen haben wir uns um kurz vor 10 Uhr am Bonner Hauptbahnhof, dort erreichte uns die Nachricht, dass der Zug nach Berlin Verspätung hat und wir etwas warten müssen. Die Stimmung war nur zu Beginn etwas angeschlagen, aber wir sind positiv geblieben, da wir uns ja sehr auf Berlin freuten. Die Zugfahrt war sehr lustig, wir haben eine sehr gute Stimmung gehabt und Holger kennengelernt, der für die Bundestagsabgeordnete Katja Dörner alles organisiert hat. Während der Reise haben wir die ersten Bekanntschaften mit den anderen 40 Mitreisenden gemacht. Eine sehr bunt durchgewürfelte Gruppe, aber sehr sympathische Leute. Der erste Eindruck sollte nicht trügen, die Gruppe war sehr kommunikativ und auch sehr interessiert uns gegenüber.

In Berlin angekommen sahen wir als erstes diesen riesigen Hauptbahnhof, ein Hauptbahnhof der so groß ist, wie der Flughafen Köln/Bonn. Von der Größe der Stadt überlaufen, fuhren wir in Richtung Hotel und hatten unser erstes Sightseeing durch unsere extra engagierte Reisebegleiterin Marlies, die uns vor Ort in Empfang nahm und zu unserem Bus begleitete. Im Hotel angekommen wollte jeder von uns nur noch ins Bett, um nach einem kurzen Nachmittagsschlaf bereit zu sein, die Stadt zu erkunden. Das Hotel hat uns überwältigt. Wir haben mit so schönen Zimmern, der Verpflegung und dem Luxus gar nicht gerechnet. Das hätten wir uns als Auszubildende niemals leisten können. Wir haben unseren sehr entspannten Aufenthalt in den Doppelzimmern sehr genossen und hatten sogar einen Fitness-Raum in unserer Etage. Dort konnten wir uns auch noch fit halten, was für uns sehr wichtig ist, da wir regelmäßig trainieren. Voll ausgeruht und nach einem kurzen Training haben wir den ersten Abend ausgekostet und sind zum weltweitbekannten Berliner Wahrzeichen, dem Brandenburger Tor, gefahren. Danach sind wir zum Kurfürstendamm weitergezogen und haben nochmal etwas gegessen und gechillt und den Abend ausklingen lassen.

Voller Vorfreude ging es am nächsten Morgen weiter. Nach dem leckeren und reichhaltigen Frühstück ging es los. Das Sightseeing ging weiter von der Berliner Mauer bis zum Reichstags, aber wir hatten immer noch nicht alles gesehen. Der Höhepunkt des heißesten Tages des Jahres war nach der Führung zur Industrie- und Architekturgeschichte in Schöneweide, der Ausblick von einem 60 Meter hohen Industrieturm mit Blick auf die Spree. Im Anschluss hatten wir noch eine Führung im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, wo ich viele neue Erkenntnisse über den zweiten Weltkrieg gewann. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass Ausländer in Berlin in ca. 1300 Zwangslagern mitten in der Stadt arbeiten mussten. Im Geschichtsunterricht habe ich viel über die traurige Deportation von Juden zu KZ-Lagern gelernt.

Nach der bedrückenden Führung hatten wir etwas Zeit uns mental zu erholen, bevor wir uns zur Schifffahrt über die Spree aufmachten. Die Stimmung am Deck war sehr entspannt, wir haben viel gelacht und den Leuten auf dem Wasser, im Wasser und am Ufer zugewunken und Sperenzien gemacht. Das servierte Essen an Bord war zwar nicht vom 5 Sterne-Gourmet-Koch, aber das hat niemanden interessiert, da das Wetter und die Atmosphäre einfach top waren. Nach dem Programm war ich so kaputt, dass ich nur noch ins Bett fallen wollte, aber auf der anderen Seite wollten wir natürlich jede Sekunde in Berlin genießen und haben die Nacht am Prenzlauer Berg gechillt.

Der finale Freitag begann wieder sonnig und der ausgemachte Höhepunkt war das Reichstagsgebäude mit einer live-Debatte im Deutschen Bundestag. Aber vorher waren wir beim Bundesministerium für Umwelt- und Naturschutz. Ich habe schon gewusst, dass zum Thema Umwelt- und Naturschutz viel im Prozess ist. Aus dem Vortrag der Referentin waren viele positive Zahlen und Fakten herauszuhören, wie zum Beispiel, dass viel weniger Plastiktüten von den Discountern ausgegeben werden und Plastikstrohalme verboten werden. Die Mobilität in den Städten verändert sich positiv, es gibt immer mehr Alternativen zu Autos, z.B. Elektro-Scooter, die in Berlin an jeder Ecke zu sehen waren. Ich fand den Vortrag sehr interessant, da ich natürlich auch viel über Friday-for-Future mitbekommen habe, mich das Thema aber bisher zu wenig interessiert hat. Ich glaube, das wird sich in Zukunft ändern, eine App für die Scooter-Nutzung habe ich schon runtergeladen.

Die Gruppe der Dr. Moroni Stiftung (oben) und die gesamte Besuchergruppe von Katja Dörner (MdB)

Nach dem Vortrag wurden wir von unserem netten Busfahrer Thomas zum Reichstagsgebäude gefahren. Ich war vom Anlauf der Touristen und von der Größe des gesamten Geländes sehr überwältigt, aber überrascht hat mich das nicht, da in Berlin alles einfach riesig ist im Vergleich zu Bonn. Wir waren sehr hibbelig und wollten unbedingt rein, aber mussten erstmal durch die Sicherheitskontrollen, die man auch von Flughäfen kennt. Im Gebäude haben wir klare Anweisungen zum Thema Verhalten bekommen, da wir das Glück hatten bei einer sehr interessanten Debatte von der Tribüne aus zuschauen zu dürfen. Seit Anfang Juni war in den Medien sehr präsent, dass der CDU Politiker Walter Lübcke ermordet wurde und anlässlich dazu wurde eine Debatte zum Thema ,,Gegen Hass und Rechtsextreme Gewalt‘‘ geführt. Ich gebe ehrlich zu, dass ich mich vor dieser Fahrt viel zu wenig für Politik interessierte und Ramy uns davon erzählte und die Zusammenhänge erklärte. Durch diese Informationen, konnten wir der Diskussion im Plenarsaal sehr gut folgen. Ich bemerkte, dass die Stimmung durch die AFD sehr aufgeheizt war. Des Weiteren fand ich Persönlich noch die Reaktionen der einzelnen Parteien auf die Vorträge der anderen merkwürdig. Es wurde reingerufen, während jemand am Rednerpult stand und vortrug. Im Großen und Ganzen war das für mich das Highlight der Reise, zu so einem brisanten Thema eine Debatte live mitzuerleben. Anschließend haben wir Katja Dörner getroffen und konnten all unsere Fragen zu Politik stellen.

Berlin ist eine riesige Stadt mit vielen Möglichkeiten für junge Menschen. Ich habe in Berlin sehr viel gelernt, das ich alles gar nicht in meinen Reisebericht unterbringen kann. Vor Teilen der Berliner Mauer zu stehen und sich vorzustellen, dass hier eine Ost-West-Trennung stattfand, das muss man einfach als junger Mensch erlebt haben. Auch als Muslim mehr über die Geschichte der Juden in Berlin im 2. Weltkrieg zu erfahren und ihnen zu gedenken, das fand ich sehr schön und ein wichtiges Zeichen der Solidarität. Ich bin Ramy Azrak, Katja Dörner, Holger Koslowski und dem ganzen Team der Grünen sehr dankbar für die wundervolle Reise. In dieser Kombination war die Reise viel schöner, als wären wir zu sechst für vier Tage zum Chillen nach Berlin gefahren. Danke!“

Tito