New „Court“ on the block

Mitte der 90er Jahren schwappte der große Basketball-Hype von Amerika über den Teich nach Deutschland. Es war die Zeit von Basketballlegende Michael Jordan. 1998 war ich in der 12. Klasse und um die NBA Finalspiele der Chicago Bulls gegen die Utha Jazz live im Fernsehen zu sehen, haben wir uns die Nächte um die Ohren geschlagen und sind teilweise ohne Schlaf am nächsten Morgen in die Schule gegangen. Damals lief gefühlt jeder zweite Jugendliche mit einem Chicago Bulls T-Shirt oder Cap rum. Basketball war die absolute Trendsportart.


Zum Basketballspielen bin ich mit Freunden fast täglich nach Bad Godesberg gefahren, weil es in Tannenbusch leider keinen einzigen öffentlichen Basketballkorb, geschweige denn Basketballplatz, gab. Manchmal haben wir auch in Buschdorf, an einer selbst konstruierten wackligen Korbanlage, gespielt. Zu dieser Zeit keimte ein wenig Hoffnung auf, das sich das ändern könnte. In den „Feldern“ wurde der Grünzug Nord in Neu-Tannenbusch von der Stadt Bonn eröffnet. Das vermeintliche Highlight der familienfreundlichen Grünanlage war für uns Jugendliche der neue Basketballplatz. Nur schade, dass die beiden massiven Basketballkörbe auf einem unbespielbaren Schotterplatz aufgestellt wurden. Diese für jeden Basketballer offensichtliche Fehlplanung war für uns sehr ärgerlich, denn keiner meiner Freunde hatte Lust dort zu spielen. Deshalb beschloss ich unserer damaligen Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann einen Brief zu schreiben, mit der Bitte einer Umgestaltung des Basketballplatzes. Nach einigen Wochen erhielt ich die Antwort, dass der Grünzug Nord „kein Sportplatz“ sei und deshalb keine bauliche Veränderung vorgenommen wird. Diese Antwort war für uns alle sehr frustrierend. Wir hatten in Tannenbusch endlich eine tolle Basketballanlage im ruhigen Grünzug, in Mitten der Natur. Fußläufig von zuhause entfernt für meine Freunde und für mich. Aber leider ein unvollendetes Projekt. Stattdessen wollten wir lieber weiterhin die lange Bahnfahrt nach Bad Godesberg auf uns nehmen, um Basketball zu spielen. Uns blieb nichts anderes übrig, denn auf einem Schotterplatz wollten wir definitiv nicht auf Korbjagd gehen! In der Winterzeit durften wir zumindest manchmal in der Sporthalle am Schulzentrum Tannenbusch Basketball spielen. Der nette Hausmeister wusste, dass wir sonst auf der Straße abhängen würden und lies uns entgegen der Vorschrift ab und zu in die Sporthalle.


Für mich als großer Basketball-Fan war es in meiner Jugend immer mit großem Aufwand verbunden meiner Leidenschaft nachgehen zu können. Etwas mehr als zwei Jahrzehnte später gibt es heute an der Bertolt-Brecht-Gesamtschule und auf dem KBE Dreieck zwei gute Multi-Funktionssportanlagen mit jeweils zwei Basketballkörben. Nicht destotrotz stehen im Grünzug Nord noch bis heute zwei massive und teure Basketballkorbanlagen ohne jeglichen Nutzen auf dem Schotterplatz sinnfrei aufgestellt. An diesem tristen Bild, das dort nie jemand spielt, hat sich nichts geändert. Deshalb habe ich vor einem halben Jahr das Gespräch mit der Stadt Bonn gesucht und die Fehlplanung angesprochen und den Verantwortlichen meine Geschichte erzählt.

Heute bekam ich eine Antwort von der Stadt Bonn. Für die Umgestaltung der Basketballanlage sind 190.388,00 € erforderlich. Das Projekt wird im Rahmen des Investitionspakts „Soziale Integration im Quartier“ 2018 durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen mit 171.000 € gefördert. 10 % der Kosten trägt die Stadt Bonn. Im Jahr 2019 wird die Planung für die neue Anlage durchgeführt. Ab 2020 wir das Projekt dann vor Ort realisiert. Ich freue mich sehr darauf, dass unsere BasKIDs in Zukunft eine tolle Freizeit-Basketballanlage in ihrer Nähe bekommen werden. Gegenüber den verantwortlichen der Stadt Bonn habe ich meinen großen Dank und auch meinen einzigen Wunsch geäußert: Ich möchte auf den neu gestalteten Basketballanlage den ersten Korb werfen!

Ramy Azrak
Leiter der Dr. Moroni Stiftung